„Plattform oder Player: Wie kann Theater politisch sein?“ – Versuch eines Live-Tickers

Dirk Pilz (nachtkritik.de) spricht mit Matthias Lilienthal, Intendant Münchner Kammerspiele 

Politik als „Verpflichtungsbegriff, der kaum noch Differenzierungsmöglichkeiten bietet“ (Dirk Pilz)

„Das ist die erste Podiumsdiskussion, bei der ich als Rentner bezeichnet werde.“ (Matthias Lilienthal)

„Theater braucht immer auch Identitätsbehauptungen.“ (Lilienthal)

„Ich sehe mich viel eher als eine Plattform.“ (Lilienthal) – Das Theater als Player findet er eher langweilig.

„Ich glaube nicht, dass Christoph jemals provozieren wollte.“ (Lilienthal über Schlingensief) – Das meint er übrigens ernst.

Dirk Pilz bedauert, dass die Aktion, bei der Schlingensief eine Million Menschen in den Wolfgangsee steigen lassen wollte, um Helmut Kohl ertrinken zu lassen, nicht geklappt hat.

Schlingensief „hat bei jeder Aktion die politische Intention ad absurdum geführt.“ (Lilienthal)

Lilienthal sagt, dass der Begriff politisches Theater in dem Moment, in dem Claus Peymann ihn für sich reklamiert, jegliche Bedeutung verliert.

Lilienthal springt über den Versuch, ein Flüchtlingshaus in München als kulturellen Treffpunkt zu öffnen. Es gehe darum, sich ein Thema zu greifen.

„Mich interessiert, eine Sozialwohnung direkt vor Yves St. Laurent zu haben.“ (Lilienthal). Es geht um die die „Neubesiedelung“ der Maximilianstraße. (Lilienthal über das Projekt „Shabby Shabby Apartments“)

Und dann ist da noch das Bild von Dirk Pilz im Bademantel auf der Maximilianstraße.

„Für vielen von uns wird in 20 Jahren der innerstädtische Raum verloren gegangen sein.“ (Lilienthal)

Sophie Diesselhorst (nachtkritik.de) berichtet von der Aktion „Erster europäischer Mauerfall“ des Zentrum für politische Schönheit.

„Bezahlt habe ich mit (…) aktionistischer Berichterstattung.“ (Diesselhorst)

Diesselhorst spricht von der Austeilung in die Rollen von Kritikerin und Aktivistin.

Diesselhorst fehlte echte Partizipation, ein Verständnis der Teilnehmer als Mitmacher, nicht als Statisten.

Lilienthal fand die Aktion großartig: „Es ist ein sehr polemisches Bild entstanden.“

Bilderproduktion steht für Lilienthal im Mittelpunkt politischer Theaterarbeit.

Lilienthal vergleicht das so unterschiedlicher Image heutiger „Schlepper“ mit denen von früher („Fluchthelfer“).

„Mir ist immer lieber, ich stelle mir die Realität vor und male sie mir so.“ (Lilienthal)

„Das in Kunstharz gegossene deutsche Stadttheater ist ein dämliches Klischee.“ (Lilienthal)

„Darf ich raten?“ (Pilz) „Nein.“ (Lilienthal – nicht – über die Eröffnung seiner ersten Kammerspiele-Spielzeit)

Erkenntnis: Selbst heute ist Schlingensief (beispielsweise sein Umgang mit Behinderten) noch umstritten.

Heutige Aktionskunst ist patchworkartiger als früher, sagt Lilienthal. Es gäbe deutlich andere Resonanzräume.

„Natürlich ist Aktionskunst ohne das Netz undenkbar. (…) Du musst Aktionskunst heute immer zu zwei Dritteln im Netz denken.“ (Lilienthal)

Pilz fragt, was politische Kunst zu einem Erfolg macht. Lilienthal nennt die Flüchtlingshausaktion: „Das ändert für die Stadt München sehr wohl was.“

„Es braucht ein Beharrungsvermögen der am Theater Verantwortlichen und der politisch Verantwortlichen.“ (Lilienthal)

„Das HAU war ein Erfolg in dem Moment, wo ich gesagt habe, dass ich aufhöre.“ (Lilienthal)

Lilienthal ist „gute Sozialarbeit immer lieber als schlechte Kunst.“

Dirk Pilz wünscht viel Erfolg in München und will dann danach wissen, was Erfolg sei.

 

PS: Wie das bei LiveBloggen so ist laufen Sachen auch mal gleichzeitg (oder ungleichzeitig?) Zumindest haben Eva Biringer und ich, anton, parallel zu Sascha auch versucht mitzuschreiben. Da solche Versuche des gleichzeitigen Zuhörens und Schreibens immer nur scheitern können, hier unsere kryptischen Notizen als Beispiel für #SchönerScheitern:

Matthias Lilienthal, früher Volksbühnen-Dramaturg und heutiger Intendant der Münchner Kammerspiele im Gespräch mit nachtkritiker Dirk Pilz.

„Die Frage ist nicht ob, sondern wie Theater politisch sein kann.“ schickt Dirk Pilz dem Gespräch voraus.

Lilienthal beginnt mit Beispielen von Christoph Schlingensief, von der Planung der Ermordung Helmut Kohls bis zu AUSLÄNDER RAUS in Wien. Hier ein Eindruck:

Ist Intervention im politischen Raum heute noch möglich?

Bericht Sophie Diesselhorst zur Mauerkreuz-Aktion vom Zentrum für politische Schönheit und ihrer unklaren Rolle: Berichterstatterin? Politische Aktivistin? Performerin? Kritikerin? Twittern wurde auf Nachtkritik sehr kritisiert: Diesselhorst würde Aktion promoten

Lilienthal bringt Beispiel PEACHES CHRIST SUPERSTAR

Lilienthal schließt mit den schönen Worten: „Im Zweifelsfall ist mir gute Sozialarbeit lieber als schlechte Kunst!

Schlingensief hat nie politisches Theater gemacht. Wenn dann sozial. Wenn er auf einer Podiumsdiskussion als Agent Provocateur angekündigt wurde, ging er nicht hin

Die über die 5%-Hürde springenden Delfine bei Chance2000 vgl #delfine

Schlingensief: „Baden im Wolfgangssee“ Pilz: Kohl töten hat ja nicht geklappt, leider

https://jelinekschlingensief.wordpress.com/2011/01/08/elfriede-jelinek-uber-baden-im-wolfgangsee/

Wann ist (politisches) Theater ein Erfolg? Lilienthal: Wenn ein Flüchtlingshaus in Münchens Zentrum etabliert wird

War HAU ein Erfolg? Ja, ab dem Tag der Bekanntgabe von Lilienthals Kündigung

50% vom Gehalt für Miete ist heute in München Realität. In 10 Jahren in Berlin auch, prognostiziert Lilienthal

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Ein Gedanke zu “„Plattform oder Player: Wie kann Theater politisch sein?“ – Versuch eines Live-Tickers

  1. Zitat: „Wann ist (politisches) Theater ein Erfolg? Lilienthal: Wenn ein Flüchtlingshaus in Münchens Zentrum etabliert wird.“
    und wenn Dirk Pilz im Pyjama vor dem Pradashop in der Maximilianstraße aufs Dixiklo geht. Ist das dann eine soziale Plastik oder nur gute Sozialarbeit?

    Stefan von der Heimatfront

    Gefällt 1 Person

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