Politik-Live-Ticker Teil 2 – heute Ungarn

Esther Slevogt (nachtkritik.de) spricht mit Arpád Schilling vom Theater Krétakör über politisches Theatermacher im heutigen Ungarn

Underwear theatre (Image: Sascha Krieger)
Underwear theatre (Image: Sascha Krieger)

„We had no choice but to fight.“ Arpád Schilling erzählt, wie ein Theater- und Kulturbegriff, der die Gesellschaft einbeziehen will, automatisch zu einer Konfrontation mit dem Orbán-Regime führt.

Wenn sich die Rolle von Theatermachern und Zuschauern vermischen, ist es noch Theater? Wenn nicht, was dann? Und wer entscheidet es? Schilling spricht über Theaterdefintion als Waffe der Unterdrückung nicht erwünschter Kunst.

„For many artists, this was paradise.“ Schilling über Künstlerreaktionen auf die Orbán-Regierung.

Es geht der Orbán-Regierung um Ausgrenzung – soziale, politische und kulturelle – sagt Schilling.

Internationale Koproduktionen gelten schon als feindliche Aktivität, sagt Slevogt. Und führen zu Steuerbelastungen als Repressionsinstrument.

„The Hungarian society was not ready for the new political system.“ Schilling über das Schweigen der Intellektuellen: „I have to say there is not a big movement.“

Schilling beschreibt ein System, das alle Mittel (Subventionskürzung, Steuerrecht, restriktive Genehmigungspolitik bei Schulprojekten) nutzt, um missliebige Stimmen verstummen zu lassen.

Schilling sieht Parallelen zum kommunistischen Ungarn: Trennung zwischen privatem und öffentlichem Raum führt zu einer Auffächerung der Informationsvergabe – was in vier Wänden gesagt wird, ist völlig unterschieden vom öffentlichen Diskurs.

„If you don’t like me, why do you ask money from me?“ Schilling über die Einstellung der Regierung zum Subventionssystem. L’état, chest moi 2015.

Jens Hillje, Co-Intendant des Maxim Gorki Theaters, fragt: „Should we go to Hungary or not?“ (bezogen auf das internationale Festival des Nationaltheaters). Arpád Schilling sagt nein. „He just wants to use the name (…) but it’s not true co-operation.“ Schilling über Nationaltheater-Intendant Attila Vidnyánszky.

Die Rede des Burgtheater-Ensembles nach dem Gastspiel (in dem sie die ungarische Kulturpolitik kritisierten) hält Schilling für das „Worst Case Scenario“ (in deutsch und englisch und ohne jede ungarische Beteiligung), für einen Ausdruck schlechten Gewissens. Andreas Erdmann vom Burgtheater verteidigt die Rede als spontanen Ersatz für das abgesagte Publikumsgespräch: „The actors were poor guys (…) They tried to do something and it went wrong.“ Schilling antwortet: „If someone wants to make action, it would be good to ask the people here“, und erzählt, wie Vidnyánszky daraus eine Verschwörung ungarischer oppositioneller machte.

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