LiveBlog: Theater zwischen Pegida und Lampedusa

Amelie Deuflhard (Kampnagel) und Wilfried Schulz (Staatsschauspiel Dresden) im Gespräch mit Mekonnen Mesghena.

Kurz vorab als Warnung/Disclaimer/Entschuldigung: Dieser Beitrag entsteht live [wie es sich für ein LiveBlog gehört] während des Panels/Gesprächs bei Theater + Netz. Auf Grammatik, Syntax oder Sinnhaftigkeit kann somit nur bedingt geachtet werden… Vielleicht vermittelt sich aber dennoch ein Eindruck, vielleicht helfen die Notizen im Nachhinein als Gedächtnisstütze, vielleicht regen die Links und Verweise zum Recherchieren und Nachbereiten an…

Erstes unvermeidbares und hoch aktuelles Thema: Ermittlungsverfahren gegen Amelie Deuflhard wegen Vorwurf des Verstoßes gegen das Aufenthaltsrecht, da beim Projekt Eko-Favela von Baltic Raw fünf Lampedusa-Flüchtlinge Unterkunft bekommen haben.

Wer mehr darüber lesen will: Hier ein Artikel in DIE WELT

#MakeLoveNotFlüchtlingskontrolle oder bald #FreeAmelie @kampnagel
#MakeLoveNotFlüchtlingskontrolle oder bald #FreeAmelie @kampnagel

Ein Einblick in die Eko-Favela Lampedusa Nord:

Frage an Wilfried Schulz: Wie dynamisch verändert sich die Lage in Dresden?

„Bei uns ist natürlich erstmal weniger lustig als bei euch.“ Aufgabe von Stadttheater und auch Legitimation: Orte der Auseinandersetzung zu schaffen – „Auch wenn es für euch von rechts außen vielleicht nicht stimmt“.

„Viele Themen werden weniger kontrovers diskutiert, sie werden weggewischt.“

Stilisierung im Diskurs von Dresden als „Opferstadt“, nicht als „Täterstadt“ ist eine Grundlage für Pegida.

Kunst und Kultur muss, ob sie will oder nicht, in eine Lücke springen, die die Politik zeigt.

Pegida nimmt für sich in Anspruch zu behaupten „Wir sind das Volk“ – und niemand hat widersprochen.

Reaktion der Kulturschaffenden: Gründung von WOD Welt-Offenes-Dresden, da das Problem die Teile der Gesellschaft sind, die sich nicht positioniert.

Beispiel Inszenierung SCHÖNE NEUE WELT von Roger Vontobel, wo eine Aufforderung zu mehr Toleranz 800 Leute zum Aufstehen bewegt.

Deuflhard: Der öffentliche Raum, der uns gegeben ist, muss zur Positionierung genutzt werden.

Verweist auf verschiedene Künstlergruppen, z.B. Gintersdorfer/Klaßen

Anders als Dresden ist Hamburg eher konversativ aber liberal, aber auch hier 5% der Wählerschaft, die die AFD wählen.

Schulz: Dresden charakterisiert, dass es hier keine „Fremden“ zu sehen gibt – perverser Weise.

Die Sichtbarkeit in der Stadt Dresden ist nicht gegeben. Flüchtlinge werden in kleinen Dörfern 50km entfernt untergebracht. Die sozialen Folgen sind verheerend.

Fazit Schulz: Auf Augenhöhe Menschen einladen!

Amelie Deufelhardt und Wilfried Schulz zu Theater zwischen Pegida und Lampedusa. Foto: Adrian Anton
Amelie Deuflhard und Wilfried Schulz zu Theater zwischen Pegida und Lampedusa. Foto: Adrian Anton

Deuflhard:

Große Aufgabe ist es, den Begriff des Bürgertums zu erweitern.

Rechtsradikale Kommentare verunmöglichen.

Frage: Wälzt die Politik Verantwortung auf Kultur ab?

„Kunst ist frei“ als Grundlage dafür, den Bewohnern der Favela sagen zu können „Ihr seid hier fast so sicher wie in der Kirche“.

Verweis auf einstweilige Verfügung gegen Flüchtlingsheim in Hamburg Harvestehude. Wer mehr dazu lesen will, hier ein Artikel im Spiegel

Schulz: Politik hat ein großes Defizit, da es ihr schwer fällt, Haltung zu beziehen.

Die Politik spült sich weich nach Meinungsumfragen. Die Probleme haben wir nicht, wir können Haltung beziehen.

Politisch bewußt Kunst zu machen wird der Weg der nächsten Jahre sein.

Der Haken: Als Stellvertreter der Politik muss die Kunst das Verrückte und Irrationale aufgeben müssen, da sie sich mehr an den Idealen der rationalen Aufklärung orientieren wird.

Polarisierung notwendig, um Haltung zu beziehen, die sonst fehlt.

Wir sind im Kern keine Sozialarbeiter, wir sind Künstler oder Kunst-zur-Verfügung-Steller. (Anm.d.R.: Habe ich das richtig verstanden?)

Hoffnung, dass die Zivilgesellschaft erwacht und sich öffnet.

Man muss sich positionieren, man muss Bündnispartner dafür finden.

Noch sind die Theater an allen Fronten stark. Kämpft für diese Theater als Orte, denn es gibt nicht mehr viele Orte, die solche Gespräche ermöglichen.

Deuflhard: Vernetzt euch! Vernetzung ist unheimlich wichtig, gerade für Projekte mit Flüchtlingen, die zwischen Legalität und Illegalität stehen.

Beispiel DIE FLÜCHTLINGE von Elfriede Jelinek, Regie Nicolas Stemann, Diskussionen über Aufenthaltsstatus und Bezahlung

Anm.d.R.: An dieser Stelle war mein Akku alle + keine Steckdose in Sicht – sehr bezeichnend. #SchönerScheitern
Aber das Gespräch bewegte sich ohnehin dem Ende zu – wer noch Ergänzungen hinzufügen möchte: Gerne die Kommentar-Funktion nutzen!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s