Fragen Sie nicht. Das war der zweite Konferenztag

Das Tragische an Pegida ist nicht, dass es Hohlköpfe sind. Das Tragische an Pegida ist, dass es Menschen sind wie unsereins. 

Das Tragische an den Ertrinkenden ist nicht, dass es Flüchtlinge sind. Das Tragische ist, dass es Menschen sind wie unsereins.

Zweiter Konferenztag

Fazit von Anne Aschenbrenner

Am zweiten Konferenztag war Tofu und Inhalt:

Im Auftaktgespräch sprach Matthias Lilienthal (Intendant der Münchner Kammerspiele) einleitend mit Sophie Diesselhorst (nachtkritik.de) und Dirk Pilz (nachtkritik.de) über die Rolle von Politik und Theater, über Aktivismus und Christoph Schlingensief.

Amelie Deuflhard (Künstlerische Leiterin, Kampnagel Hamburg) diskutierte mit Wilfried Schulz (Intendant, Staatsschauspiel Dresden) über das Projekt mit den Lampedus Flüchtlingen (das Deuflhard schließlich eine absurde Klage eingebracht hat) und Pegida in Dresden. Cem Özdemir (Bundesvorstand Bündnis 90/Die Grünen) war leider krankheitsbedingt verhindert.

Árpád Schilling (Regisseur, Theater Krétakör) sprach über die Situtation der Kunst  in Ungarn.

Eero Epner (Leitender Dramaturg & Autor, Theater NO 99 , Tallinn/Estland) sprach mit Christian Römer (Referent Kultur und Neue Medien, Heinrich-Böll-Stiftung) über künstlerischen Aktivismus und Wahlkampfhacking im Theater in Estland.

Allen Vorträgen gemein waren die Fragen, denen sich „das Theater“ gegenwärtig stellen muss:

Ist Theater „Plattform für ästhetisch Spielarten“ oder „Player im politischen Feld“? Oder beides? Wie kann Theater politisch sein? Muss Theater sich einmischen? Ist Theater ein Sozialamt? Wie weit darf Theater gehen, wenn Randgruppen auf die Bühne gebracht werden? Was würde Schlingensief heute tun? Und wer übernimmt seine Rolle?

Welche Skills werden im Theater der Zukunft relevant? Wie sieht die Schauspielausbildung der Zukunft aus? Sind wirklich alle Theater pegida-frei? Ist ein hoher Anteil an MitarbeiterInnen mit Migrationshintergrund ein Gütesiegel?

Menschen bei der Staatsanwaltschaft anzeigen, weil sie Menschen helfen, warum macht man das (heute noch immer)? Flüchtlingshilfe war auch einmal positiv besetzt, wann hat sich das verändert – und warum? Und überhaupt: Flüchtlingen zu helfen, gegen Rassismus zu sein – ist das wirklich (eine) Kunst?

Es sind Fragen, die gestellt werden müssen, die diskutiert werden müssen. Fragen, vor deren Hintergrund mascheks Satiren besonders bitter schmecken: Wir haben keine Lösung legen Peter Hörmanseder und Robert Stachel, die auch heuer wieder bei Theater & Netz zu Gast waren, dem amerikanischen Präsidenten in einer Rede vor der UNO in den Mund. Und die österreichische Innenministerin lassen sie sagen: „Wir sorgen einfach dafür, dass die Flüchtlinge in kleineren Booten ertrinken. Je weniger Menschen auf einmal ertrinken, desto geringer ist die Aufmerksamkeit.“

Augen zu und durch? Kämpferisch zeigten sich bei #tn15 die Podiumsgäste:

Hängt politische Botschaften vors Haus“ (Ingo Sewilla),

Sperrig sein, die Axt auspacken – das gehört schon auch noch zur Kunst. Mehr Mut zur Konfrontation“ (Christian Rakow)

Noch sind die Theater stark. Kämpft. Stellt Fragen.“ (Wilfried Schulz)

Was soll ich euch sagen: Wir haben Tofu gegessen.

Bier minus Brezeln gleich Wein

Theater und Netz. Arbeit und Appetit. Hemmung und Häppchen. Es muss dann doch etwas zur kulinarischen Situation gesagt werden. Die Wien – Berlin Connection, die im Bloggerspace vom letzten Jahr ihre Twitterbekanntschaft in eine Real-Life-Freundschaft-zwischen-Städten umgewandelt haben, berichten.

Ein nicht-mehr-ganz-so-live-Bericht

von Berlin (Eva Biringer) und Wien (Anne Aschenbrenner) 

Berlin

Nachdem schon am ersten Konferenztag ein explizit als solches ausgewiesenes vegetarisches Mittagsessen serviert wurde, konnte das Rätsel seiner Herkunft am Sonntag geklärt werden. Für das Catering zeichnete W – Der Imbiss in der Kastanienallee verantwortlich. Was für ein Glücksfall! Dass die Enchilladas mit Tofuhack und Käse (in der veganen Version ohne) vom Samstag ein wenig trocken waren, lag vielleicht an der vorgerückten Stunde der Verkostung; so ernst nehmen wir unsere Bloggerpflicht. Pur geschmacklich neutral, verhalfen Guacamole und Sour Cream dem dazu gereichten Maisbrot zum mittelgroßen Auftritt. All das mit einer flotten Schärfe, die dem ein oder anderen zart besaiteten Bloggerauge ein Tränchen entlockte.

Weitaus raffinierter fiel der Lunch am zweiten Konferenztag aus. Gedämpfter Tofu, Blattspinat mit Feta, knackige Grüne Bohnen, Champignons und glasierte rote Zwiebeln, dazu Klebreis mit Nüssen. Konsequent wurde der nachhaltige Anspruch bis hin zum Holzgeschirr zu Ende gedacht.

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Unklarheit bestand hingegen in der Provenienzfrage des Kleingebäcks. Während beider Konferenztage sorgte die Heinrich-Böll-Stiftung für eine quasi lückenlose Keksversorgung. Donnerwetter, waren die lecker! So lecker, dass zur Lückenüberbrückung geheime Kekeslager eingerichtet wurden. Kross oder mundfüllend-weich, herb oder mit ausbalancierter Süße. Egal ob Mohn-Kokos, Nuss, Mürbeteig mit Sonnenblumenkernen oder Florentiner – jeder hatte Applaus verdient. Bravo!

Für Unmut im Oberrang sorgten hingegen die für den Konferenzausklang angesetzten Bier und Brezeln. Obgleich manch ein Blogger Punkt 17 Uhr alles stehen und liegen ließ, konnte er am Ende des ersten Konferenztages keine der begehrten Brezeln ergattern. Manch einer hielt sie für ein Gerücht. Das Bier soll geschmeckt haben und führte zu grundsätzlichen Überlegungen zu Start-up-Gründungen im Biersegment.

Beim Wein belässt man es bei je einer Sorte rot und weiß. Vor dem ersten Schluck erinnerte der 2012er Spätburgunder von Trautwein den Mittester an „Schwein“ oder, etwas subtiler, an durchwachsenen Speck, satt und mit charakteristischer Räuchernote. Allerdings hielt er dieses Versprechen nicht, war
am Gaumen schal und wenig lebhaft.

Eine bessere Wahl war der mit Demeter-Siegel zertifizierte Rivaner, ebenfalls von Trautwein. In der Nase Zitrus, mit jener frühsommerlichen Frische, nach dem sich die Stadt Anfang Mai so sehnt, mit einer Vorahnung von klarer Säure, stärker gerochen als geschmeckt. Trotz etwas fahlem Nachgeschmack wurde er auf eine banale Art gemocht, „wie Popmusik“.

Danke an Mittester Mr.B., weil zwei Zungen immer mehr schmecken als eine.

Danke an Vivino, für die lückenlöse Aufklärung über die Getränke in unserem Glas.

Danke an die Heinrich-Böll-Stiftung für die voraussschauende und herzliche Betreuung aller Bloggerbefindlichkeiten.

Danke an Musik mit allem und viel Scharf für das wunderlichste Kaffeevideo des ersten Halbjahres.

Wien

Berlin hat alles schon gesagt, was ich gesagt hätte, nur viel eleganter. Ich als Wiener Proletenkind, das noch nicht komplett hipsterisiert ist („Hilfe, ich habe glutenfrei gegessen!“) litt in erster Linie am Brezel-Mangel – es wäre das einzige, worüber ich schreiben hätte können. Die Kohlenhydrateaufnahme durch Bier allein hatte für zumindest einen von uns handfeste Folgen, da er Jacke mit Schlüssel liegen ließ und dann am Ende sonst wo übernachten muss, denn nachts schläft auch die Böll-Stiftung und Jacke mit Schlüssel holen in dem Sinn: Fehlanzeige.

Zu den Keksen vielleicht die Geschichte von Laura (#esgehtumlaura), die „zum Frühstück alles gegessen hat: Soja, Früchte, Nüsse, Honig und Kerne.“ Alles in einem Keks! Mangels Zeit – ein rezidivierendes Problem im Bloggerspace – haben wir auf den Böll-Stiftung-Keks-Werbe-Spot-Dreh leider verzichten müssen. Dafür ist uns ein neuer Slogan für die nächste Konferenz eingefallen: Böll statt Böller. Die Kalauer waren vermutlich auch… im Keks.

Um mit der Wein-App (jetzt einmal wirklich Wein, nicht Vine – die digitale Welt macht echt alles schwierig!) den Wein zu bestimmen, tunkt man übrigens nicht das Smartphone ins Weinglas, sondern scannt die Flasche. Oder so ähnlich. Sie sehen: Bloggerspace kann auch lehrreich sein.

De(a)r Leser

Der Leser

Am Ende sind alle.Statisiken nichts wert : Bloggerinnen wollen gelesen werden. Schlimmer noch als jede Schreibblockade ist die tiefste Ur-Angst von BlogerInnen nicht wahrgenommen zu werden, – auch wenn sich das – genauso wie die Schreibblockaden – niemand eingesteht. Und dann ist es vielleicht besser ein Bot kommt auf die Seit als gar niemand. Oder?
Umgehen kann man damit verschiedenartig, die diesjährige Liveblog-Truppe hat den Sascha-Krieger-Style angenommen – Hashtag #spaßanderfreude – und nimmt die Sache mit Humor.

Der erste Liveblog-Tag lief erwartungsgemäß mit wenig Resonanz: Kein Kommentar. Nicht mal eine Abmahnung haben wir kassiert, was für eine Blamage. Dabei haben wir nicht mal ein Impressum!
Am zweiten Tag ist er aber aufgetaucht: der Leser. Eine retrospezielle Art noch dazu: ohne Twitter, ohne Fb Account. Internetzugang hat er aber schon. (Sonst wäre er ja nicht unser Leser )
Hier also ist er:

Fotot: a.a.
Fotot: a.a.

Männlich, Mitte 30 (?), smart, seriös. Hätten wir unser Zielpublikum aussuchen können: er wäre es gewesen.
Dass er eigentlich gekommen ist weil er auf der Tweetwall gelesen hat, dass wir cookies haben, gibt der Geschichte noch einen marketingtechnisch äußerst interessanten Touch.
Herzliche  Dank also.
Möchtest auch du unser Leser oder unsere Leserin werden? Wir freuen uns. Auch über Kommentare.

(a.a.)

Berlins digitale Theatervision, eine Nachbetrachtung zum gestrigen Impuls von Tim Renner

Am zweiten Tag der Konferenz geht es nun bereits seit 11:00 Uhr um Politik und Ästhetik, ein sicher sehr wichtiges Thema für das Theater. Hier sei aber noch einmal an den gestrigen Vortrag von Kulturstaatssekretär Tim Renner erinnert, der über Berlins digitale Theatervision sprach und sich anschließend noch einer Gesprächsrunde mit Christian Holzhauser (Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft), Franziska Werner (Leiterin der Berliner Sophiensaele) und Wolfgang Behrens (nachtkritik.de) stellte. Auch das hatte sicher Potential für ein kleines Politikum.

Tim Renner, ein Visonär oder nur der Name auf einer Besetzungsliste? Foto: St. Bock
Tim Renner, ein Visonär oder doch nur der Name auf einer Besetzungsliste? – Foto: St. Bock

Erstmal ist zu konstatieren, dass sich die „Visionen“ Renners nicht nur um den schon oft diskutierten Livestream drehen. Zwischen „Geht nicht, gibt’s nicht“ und „Alles streamen ist Quatsch“ könne das Theater doch ganz entspannt auf das Phänomen der Digitalisierung schauen, sagte der sichtlich entspannte Kulturstaatssekretär. Aber was das TV (hier im Besonderen der arte-Theaterkanal) nicht geschafft habe (wie er selbst einwirft), wird wohl auch das Streamen von Theateraufführungen nicht leisten können. Der spätere Kommentar aus dem Publikum, dass der Livestream doch jetzt schon out wäre, spricht da Bände. Renner ist dann auch schnell weiter im Text und beim Marketing für die Theater, sprich einheitlichen Online-Ticketsystemen, der Bedeutung für die kulturelle Bildung in den Schulen und der unbeschränkten Teilhabe für alle, die nicht ins Theater gehen könnten. Sogar das Außenministerium zeige Interesse an Kunst und Internet, zum Beispiel mit Livestreams aus Istanbul.

Tim Renner gab sich zunächst ganz als geübter Medienrhetoriker und den Spielball für die digitalen Visionen auch gleich wieder an die Theater zurück. Auch hier also weiterhin Entspannung beim Staatssekretär. Sein Impuls ist: Zum Sammeln der Ideen und Vorschläge hat die Senatskulturverwaltung einen sogenannten Call for Ideas eingerichtet, eine Plattform die erstmal nur einen Namen hat, aber noch kein Geld für die Umsetzung des von den Theatern und anderen Berliner Kulturinstitutionen zu leistenden Inputs. Die Auswertung beginnt laut Renner nach dem 5. Juli. Den Rest des Vortrags erspare ich mir hier mal. Zur künstlerischen Ausrichtung der neuen Volksbühne unter Chris Dercon und deren geplanten digitalen Ausdrucksformen war außer dem Hinweis auf das Terminal plus, einer Studiobühne als digitalem Raum, nicht viel mehr zu erfahren.

Diskussionsrunde mit Christian Römer (Heinrich-Böll-Stiftung), Christian Holzhauser (Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft), Franziska Werner (Leiterin der Berliner Sophiensaele) und Wolfgang Behrens (nachtkritik.de) - Fot: St. Bock
Diskussionsrunde mit Moderator Christian Römer (Heinrich-Böll-Stiftung), Tim Renner (Berliner Kulturstaatssekretär), Franziska Werner (Leiterin der Berliner Sophiensaele), Christian Holzhauser (Vorsitzender der Dramaturgischen Gesellschaft) und Wolfgang Behrens (nachtkritik.de) – v.l.n.r. – Foto: St. Bock

Die Verblüffung unter den Panel-Teilnehmer auf dem Podium, ob der neuen Vision, die Berliner Theater digital nach vorn zu bringen, hielt sich dann auch eher in Grenzen. Zunächst natürlich Freude über den neuen, noch virtuellen Projekttopf bei der Leiterin der Sophiensaele. Irgendwas wird man damit schon anfangen können, denn Förderinstrumente erzeugen immer auch Nachfrage, und mit der Truppe Turbo Pascal ist man da ja schon bestens am Start. Es gab aber auch Bedenken von Seiten Wolfgang Behrens. Einen unbedingten Bedarf zur Förderung sieht er nicht, da hier vorrangig auch die Marketingabteilungen der Theater selbst zuständig wären. Und was letztendlich zur Initialzündung bei den Schulklassen führe, sei immer noch die physische Präsenz im Theater.

Es wurde dann noch viel in Anglizismen wie Performance Spaces, Live Journey, Open und Close Shops gesprochen, oder über die Monopolmacht von Twitter, YouTube und Facebook sinniert. Dass digitales Theater aber mehr als nur eine Frau mit einem Laptop im leeren Raum (sozusagen die 2.0-Version von Peter Brooks Theatervision) ist, dürfte jedem klar sein. Auf das salbungsvolle Schlusswort Renners, dass die Förderung von Kultur eine entscheidende Investition in die Zukunft ist, wird man den Staatssekretär aber wohl in Zukunft auch festnageln. Was zunächst bleibt, ist der Spruch von den dicksten Eiern am Theater, was ein auflockernder Tiefschlag in Richtung der alten Patriarchen sein sollte, und zum echten „Renner“ unter den Twitterern des Kongresses wurde.

Stefan Bock

Kollaborative Zusammenfassung des gestrigen Workshops „Digitales Theatermarketing“ aufgrund völliger Unfähigkeit der Erstautorin in Echtzeit bzw. noch am ersten Konferenztag zu bloggen.

Ursprüngliche Überschrift: Ingos Liste (Nr. 4 trieb mir die Tränen in die Augen!)

In Sachen digitales Theatermarketing ist Ingo Sawilla vom Residenztheater München ja so etwas wie das Goldene Kalb. Ich konnte mich also gerade so bremsen, ehrfürchtig um ihn herum zu tanzen, als er heute gestern auf der #tn15 gemeinsam mit Markus Dietze, Intendant des Theater Koblenz, Einblicke in seine tägliche Arbeit erlaubte. Alternativ versuche ich nun also mehr oder weniger unterhaltsam darüber zu bloggen. HERE. WE. GO.

Mist. Pulver verschossen! Nochmal von vorne…

Heute habe ich in der Heinrich-Boell-Stiftung in Berlin einen Herrn namens Ingo Sawilla kennen gelernt. Der macht was mit Theater. Ingo Sawilla war sehr nett. Der hatte eine Kappe und sogar ein Nasenpiercing! Wenn ich groß bin, möchte ich so werden wir er.

Zapperlott!

Berlin, den 2. Mai 2015: Etwa 50 Social Media Menschen ÖA-Arbeiterbienchen aus aller Herren Bundesländer interessierten sich am Samstag für die Ausführungen der Herren Sawilla und Dietze, die – moderiert von der nachtkritik.de-Redakteurin Anne Peter – aus ihren Theaterhäusern in München und Koblenz berichteten: Best practice Vorbilder für die Republik in Sachen Onlinekommunikation.

Nee, kannste so auch nicht machen…

  • Mami, Mami? Was heißt „State of the Art“?
  • „State of the Art“ ist, wenn Ingo Sawilla vom Residenztheater gemeinsam mit Markus Dietze, dem Intendanten des Theater Koblenz, einen Workshop zum Thema „Digitales Theatermarketing“ hält und Letzterer Ersteren fragt: „Ist es okay, wenn ich dich meerkate?“

Best of der Resi’schen Onlinekommunikationsgrundsätze:

  • In erster Linie geht es ums Geschichten erzählen. #Storytelling
  • Öffentlichkeitsarbeit hat etwas mit #Kommunikation zu tun. #Oha #Gutzuwissen
  • Authentizität. #TweetCredibility
  • Unterscheidbarkeit #wasmachendieanderen
  • Social Media in Echtzeit bespielen. #nichtsistsoaltwiederschlussapplausvongestern
  • Relevanz! Relevanz! Relevanz! Relevanz! #Relevanz
  • Politische Botschaften vors Haus hängen! #daswirdmanjawohlnochsagenduerfen
  • Online und offline verknüpfen! #emailsausdrucken

Notiz an mich:

Drohne kaufen. Drohne im Theater fliegen lassen. Episches Bildmaterial bekommen. (Ingo Sawilla auf Post-it)

„Natürlich habe ich das dann auch noch verbloggt.“

(Ingo Sawilla über das Problem, zu viel gutes Bildmaterial zu besitzen)

von uns beiden

Überforderungskurs oder Kuschelkonferenz?

Berlin 2015

Erster Konferenztag – Fazit von Anne Aschenbrenner

Hilfe, ich habe glutenfrei gegessen. Von Tellern aus Palmblatt! Austausch war in den Workshops, in denen ich war, nicht wirklich, mehr eine Mischung aus Selbsterfahrung und substantivierter Erklärungsnot. Erstaunlich viele TeilnehmerInnen sind zum ersten Mal da – viele auch zum zweiten Mal – wie viele werden es zum letzten Mal sein?

Als Wienerin bin ich genetisch veranlagt alles schlecht zu finden, dabei ist alles gar nicht so wahr: ich hab noch nie so gut glutenfrei gegessen, selten Selbsterfahrung so pointiert gehört wie bei Ingo Sawilla vom Resi, noch nie bei einem Vortrag (Delfine und Internet), den ich nicht richtig verstanden hab, so amüsiert.

Was kann Theater & Netz jetzt noch –  außer die rhetorische und onomatopoetische Verknüpfung von Essen und Trinken á la Kaffee und Kekse und Bier und Brezeln?

Bleiben wir mal beim Negativen: Der interaktive Part vom letzten Jahr hatte die Konferenz nicht nur um eine Ebene erweitert, sondern vielmehr auch zwei Ebenen miteinander verbunden, das Digitale und das Analoge. Das war faszinierend zu beobachten und spannend mitzutun. So ein Part fehlt heuer ganz: Eine Twitterwall war heute zwar zeitweise eingeblendet, was in vielen Diskussionen über Digitales (hier wie auch woanders) aber fehlt, ist Tweets auch einzubinden. Darauf zu reagieren. Auch analog. So spricht man im Podium zwar über Livestreaming, auf Twitter entstehen parallel dazu Diskussionen, die auch (wertvolle) Beiträge und Anregungen von außen enthalten, also außerhalb des analogen Erfahrungsraumes. Und dann gehen wir drauf nicht ein. Ist es nicht das, wonach wir suchen? Nach einer Verknüpfung aus Digitalem und Analogen? Nach einer Erweiterung von Erlebnisräumen? Warum macht man Livestream, wenn man dann die Leute außerhalb dann die Tragödie mit ansehen lassen, aber nicht interagieren können? Muss Livestream da enden wo man dann das Mikro abdreht?

Wirklich gut aber war die Session „Social Media Marketing: Mit dem Residenztheater München und dem Theater Koblenz konnten nicht nur selbstredende Vortragende gewonnen werden, sondern auch charismatische, vor Begeisterung sprühende. Es hätten aber auch nicht Gegensätzlichere sein können: Während Ingo Sawilla die Social Media Kanäle aus dem Bauch heraus bespielt und Redaktionspläne ablehnt („Ich hab einen Spielplan, was brauch ich dazu noch einen Redaktionsplan“) – der Anti-Streber hat auch keine Powerpoint  vorbereitet – findet Markus Dietze – mit PowerPoint! – vom Theater Koblenz ganz andere Worte: Nicht alles was im Theater abgeht ist für die Öffentlichkeit bestimmt, nicht alles darf einfach so raus, nicht jeder darf einfach so vor sich hin posten: pro Redaktionsplan, pro Struktur, auf allen Linien. Die Begeisterung für Social Media und die Bereitschaft Neues zu probieren ist nicht minder spürbar.

Anlässlich der Session  „Theaterblogs Backstage: kritische Reflexion oder Öffentlichkeit selbst gemacht?“ entstand im digitalen Niemandsland der Eindruck: BloggerInnen sind immer zu nett. Die Grundeinstellung ist immer wieder eine positive. Das war auch Thema des Bloggerspace: Dienen Blogs dazu freie Szene sichtbar zu machen oder sind Blogs Raum für auch kritische Auseinandersetzung. Anders gefragt: will das glattgebügelte Zeug eigentlich noch jemand lesen?

Hateblogs als Allzweckswaffe im kulturpolitischen Diskurs? Das probieren wir jetzt aus.

Recht[lich] bedenklich… WS zu Urheberrecht

Workshop-Bericht von anton

Alle, die sich irgendwie in digitalen Welten rumtreiben, tun es: Inhalte und Bilder teilen, verlinken, rebloggen oder retweeten usw.. Dabei wird meist ausgeblendet, dass fast alle Inhalte, Werke, Bilder oder was auch immer mit irgendwelchen Urheberrechten verbunden sind. Bei Facebook oder Twitter & Co lässt sich das Thema Urheberrechtsverletzung noch ganz gut ignorieren oder ausblenden. Bei Blogs ist das schon weniger einfach, da alle Blogger durch die Impressumspflicht für ihre Inhalte gerade stehen müssen (gilt eigentlich auch für Facebook, Twitter usw… aber hält sich da irgendjemand dran?).

Ein guter Grund also, sich beim Workshop zum Thema Urheberrecht mal darüber zu informieren, welche Rechte es so gibt und wieviele davon ich regelmäßig verletze. Rechtsanwalt Jan Fröhlich, der auch beim Theatertreffen zum Fall BAAL / Castorf sprechen wird, gibt erste Einblicke in Grundlagen des Urheberrechtes. Kann und will ich die hier wiederholen? Lieber nicht, denn verstanden habe ich eigentlich nur, dass das Urheberrecht sehr umfangreich und kompliziert ist. Beispiel Foto: Nicht nur Fotografen haben Rechte, sondern auch abgebildete Personen oder Werke und deren Urheber. Wenn ich mir also nun auf Twitter die vielen Fotos unter #tn15 so ansehe, sehe ich ziemlich viele Urheberrechtsverletzungen… und beim Retweeten verletze ich diese Rechte auch gleich nochmal. Oder habe ich das falsch verstanden? Fazit: Meine Hoffnung wird wohl auch weiterhin bleiben, dass hier Rechtstheorie und -praxis zwei unterschiedliche Dinge sind… § = ?

PS: Ein Foto vom Workshop habe ich zwar gemacht, aber aus Angst vor Urheberrechtsverletzungen verkneife ich mir eine Veröffentlichung hier lieber…

…dafür so wie ich es heute brav gelernt habe ein Bild mit Creative-Commons-License. Wichtig: Immer schön den Fotografen nennen! Ich hoffe hiermit keine Urheberrechtsverletzung zu begehen… Vielleicht sollte ich noch einen Disclaimer einbauen? Nur so zur Sicherheit…

Was-auch-immer-Verbotsschild. Foto: By Ben Schumin (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons
Was-auch-immer-Verbotsschild. Foto: By Ben Schumin (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)%5D, via Wikimedia Commons